Die ambivalente Macht der Phantasie – historische und aktuelle Debatten
Die Phantasie (griech. φαντασία; lat. phantasia, imaginatio) gilt in der philosophischen Tradition als ein ambivalentes Phänomen. Von Aristoteles wird sie in De anima zwischen der Erklärung der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit und der des Denkvermögens behandelt. Die φαντασία geht von der Sinneswahrnehmung aus, ist aber nicht an die gleichzeitige Wahrnehmung des Objektes gebunden. Sie kann Erinnerungsbilder vor Augen stellen oder – durch freie Kombination von Elementen der Wahrnehmung – Vorstellungsbilder erfinden. Auch wenn die Konzeption der Phantasie seit den antiken Diskussionen Transformationen unterliegt, bleibt ihre Stellung zwischen den Vermögen der Wahrnehmung und des Denkens in der Theoriegeschichte zentral – gerade ihr freierer Umgang mit den von der Wahrnehmung gelösten Vorstellungen zieht das Interesse auf sich.