Polnische Romantik. Transnationale Konstellationen
Polnische Romantik. Transnationale Konstellationen / Polish Romanticism. Transnational Constellations / Polski romantyzm. Konstelacje transnarodowe.
Zugleich 33. Tagung des Deutsch-Polnischen Arbeitskreises für Kunstgeschichte und Denkmalpflege
Die Romantik stellt eine zentrale und bis in die Gegenwart wirkende Epoche der polnischen Literatur- und Kulturgeschichte dar. Sie wird mit guten Gründen als entscheidende, geradezu paradigmatische Formation für die polnische Nationalkultur betrachtet. Der romantische Literatur- und Deutungskanon hat eine identitätsstiftende Funktion und übt auch in seiner Nachwirkung mit teils stark politisch motivierter Ideologisierung auf das nicht nur nationale Selbstverständnis in Polen Einfluss aus. Allerdings stößt dies bisweilen auch auf heftige Gegenreaktionen oder polemische Abgrenzungen gegenüber einer in der Kultivierung der Romantik postulierten nationalen Identität der Polen. Die Debatten über die polnische Romantik dauern bis heute – unbestritten sind ihr Rang und ihre Bedeutung.
Im Sommer 2027 wird eine Ausstellung im Deutschen Romantik-Museum Frankfurt am Main („Geister der Freiheit. Die polnische Romantik und ihre Folgen” – Arbeitstitel) Einblicke in die charakteristischen Merkmale der polnischen Romantik geben und ihre Verbindungen im europäischen Kontext beleuchten. Die Konferenz bereitet diese Ausstellung aus akademischer Sicht vor, indem gezielt die transnationalen Dimensionen der polnischen Romantik in den Blick genommen werden. Mit diesem Zugang soll im Rahmen der Konferenz der Versuch einer Rekontextualisierung der polnischen Romantik in einem breit gefächerten transnationalen Referenzrahmen unternommen werden. Insbesondere die Beziehungen zur deutschen Kultur, zu deren Literatur und Philosophie, waren für die polnische Literatur der Romantik eine prägende Erfahrung, die sich auf vielfältige und originelle Weise bemerkbar machte (etwa durch den Einfluss von Herders Begriff vom Volk oder von Goethes Werther auf Mickiewicz). Aber auch andere europäische Kulturen bilden einen Anlehnungskontext (Niklas Luhmann) – oder auch einen Ablehnungskontext – für die Entfaltung einer eigenständigen polnischen Romantik.
Nicht zuletzt ist aber auch an die intrinsische transnationale bzw. transkulturelle Eingebundenheit der polnischen Kultur in der Epoche der Romantik zu denken. Die Teilungen und damit verbunden die Herrschaft durch fremde Mächte bzw. mit Fremdherrschaft einhergehende kulturelle Hegemonie, die Staatslosigkeit, aber auch die multiethnische und multikonfessionelle demographische Situation im geteilten Polen-Litauen sowie die Erfahrung der Emigration – all dies zusammen hat entscheidenden Einfluss auf die Spezifik der polnischen Romantik, die vielfältiger erscheint als der kanonische Deutungsansatz, der eine homogene Nationalkultur als geschlossene Entität setzt.
Die Konferenz zielt darauf ab, ein besseres Verständnis der polnischen Romantik zu vermitteln, nicht als nationale Ausnahmeerscheinung, sondern in ihrer Wechselwirkung mit benachbarten europäischen Kulturen. Aus diesem Kontext ergeben sich die hier nur umrissartig skizzierten Leitthemen. Einzelne Beiträge können auch mehrere Themen gleichzeitig behandeln, wobei Beiträge mit vergleichender Ausrichtung besonders willkommen sind. Darüber hinaus werden sich mehrere Panels speziell mit den europäischen Dimensionen der polnischen Romantik in Kunstgeschichte und Denkmalpflege befassen.